Donnerstag, 6. Dezember 2018

Baja California / Mexiko

Reiseetappen seit letztem Blogeintrag:
Santa Fe-Gallup-Quartzsite-Calexico-MEXIKO-La Bufadora-San Quintin-Cativina-Bahia Los Angeles-Guerrero Negro-San Ignacio-Laguna San Ignacio-Mulege-Ciudad Constitution-La Paz-Todos Santos-Los Barriles

Es traf ein, was wir zu hoffen kaum gewagt hatten: Der Reifenwechsel in Santa Fe hatte reibungslos geklappt und wir konnten unser nächstes Ziel, Quartzsite, anpeilen. Dies ist ein schräger Ort in der Wüste Arizonas und hat grundsätzlich nichts zu bieten. Dennoch haben viele amerikanische und kanadische Rentner diesen Platz zum Überwintern auserkoren. So gibt es dort unzählige RV-Parks, die jedoch hauptsächlich auf Langzeitgäste ausgerichtet sind. Supermarkt und Restaurants gibt's kaum. Diese werden jeweils in Zelten für die Wintermonate aufgebaut. Im Sommer wird es wohl wie ausgestorben sein.
Nach drei Übernachtungen unter Rentnern haben wir uns für den Grenzübergang zu Mexiko bei Calexico entschieden. Die Grenzformalitäten verliefen Dank unseren profunden Spanischkenntnissen problemlos. Keine Ahnung warum die Grenzbeamten mit uns Englisch sprachen...

Kaum waren wir eine Viertelstunde in Mexiko, wurden wir bereits von der Polizei rausgenommen. Den aufmerksamen Polizistinnen war nicht entgangen, dass wir nicht  angegurtet waren, was natürlich verboten und daher geahndet werden muss. Da konnten wir den Ordnungshüterinnen noch lange erklären - mangels Worten mit Händen und Füssen - dass der Büffel II schon alt ist und daher über gar keine Sicherheitsgurte verfügt. Das liess die beiden Mexikanerinnen aber kalt. Sie bestanden auf die 40 USD Busse, bzw. würden sie auf den Strafzettel verzichten, bezahlen müssten wir aber trotzdem. Cyrill konnte das "Bussgeld" auf die Hälfte reduzieren, indem er ihr einen 20-Dollarschein wieder entzog. Wie sagte uns ein Amerikaner: T.I.M - This is Mexico!

Am nächsten Tag steuerten wir ein Autozubehörgeschäft an und Cyrill hat uns inzwischen fachmännische Sicherheitsgurte montiert. Seither sind wir vorschriftsgemäss mit "Cinturon de Seguridad" unterwegs und brauchen die mexikanische Polizei nicht mehr zu fürchten.

Von Mexiko haben wir bisweilen nur die Baja California gesehen. Eine karge, lebensfeindliche Landschaft, zu 100 Prozent bestehend aus dürren Büschen und riesigen Kakteen. Dafür gibt es schöne Buchten mit türkisblauem, klarem Meer. Klar, dass wir diese Buchten zum Übernachten ansteuern und meist auch mindestens zwei Nächte bleiben, um die traumhafte Kulisse, das warme Meer und die Sonne zu geniessen. Noch sind Spanischkenntnisse nicht gross von Nöten, da es hier viele amerikanische und kanadische Touristen gibt. Wir haben jedoch vor, in der Nähe von Veracruz, wo wir voraussichtlich zwei bis drei Wochen bleiben werden, einen Sprachkurs zu besuchen. Mal schauen, was sich einrichten lässt.

Für am 7. Dezember 2018 haben wir die Fähre von der Baja California zum Festland gebucht. Die Überfahrt soll etwa 16 Stunden dauern. Praktischerweise darf man aber im Camper bleiben. Dies ist mit ein Grund, weshalb wir uns für die lange Strecke entschieden haben. Zuerst wollten wir nur die kurze Strecke buchen, da wir Sämi, seit Cindy nicht mehr da ist, nicht mehr so lange alleine lassen können. Der Kleine trauert ganz heftig um seine geliebte Cindy. Er litt für über zwei Monate so stark unter Durchfall, dass er uns jede Nacht mehrmals in den Büffel II gemacht hat. Zwei Tierarztbesuche brachten leider auch keine Abhilfe. Nach der Antibiotikabehandlung war der Durchfall jeweils wieder da. Da wir langsam das Gefühl hatten, dass das Problem psychischer Natur war, schlief ich für drei Nächte mit Sämi auf dem Bettsofa. Und siehe da, der Durchfall war wie weggeblasen. Seither teilen wir uns das Bett zu dritt. Sämi ist happy und uns warm, vor allem hier in Mexiko.

Im Moment befinden wir uns in Los Barriles, ein Mekka für Kite-Surfer, wo Cyrill sein Können vertiefen wollte. Leider hat es seit drei Tagen überhaupt keinen Wind, so dass wir heute ein Alternativprogramm in Angriff genommen und ein Jetski gemietet haben. Das hat Spass gemacht und wir sind auch nur einmal ins Meer gekippt. Ich  habe es dann dennoch vorgezogen, das Gefährt vorzeitig zu verlassen, damit Cyrill sich noch nach seinem Belieben austoben konnte. Soviel Testosteron verträgt mein zartes Nervenkostüm nicht.

Morgen geht es nun weiter nach La Paz, wo wir die Fähre nach Mazatlan nehmen.


Sonntag, 4. November 2018

USA und mexikanischer Einschlag

Reiseetappen seit letztem Blogeintrag:
Salt Lake City-Bonneville Salt Flats-Holden-Bryce Canyon-Cedar City-Las Vegas-Lake Mead-Grand Canyon-Lake Powell-Monument Valley-Moab-Mesa Verde-Durango-Taos-Santa Fe-Cochiti Lake

Nach der Besichtigung von Salt Lake City fuhren wir weiter zu den Bonneville Salt Flats. Den Mormonentempel in Salt Lake City konnten wir leider nicht besichtigen, da gerade eine wichtige Mormonenversammlung im Gange war, die offenbar nur zweimal im Jahr stattfindet. Dementsprechend hatte es sehr viele Leute und wir entschieden uns, weiterzuziehen. Stadtbesichtigungen sind sowieso immer eine heikle Angelegenheit. Erstens ist es schwierig, sich mit Büffel II durch den Verkehr zu kämpfen und dann auch noch einen passenden Parkplatz zu finden. Zweitens und drittens sind Cyrill und Sämi nicht städtetauglich und viertens stressen mich genau diese drei Faktoren. So fuhren wir also Richtung Bonneville. Dies war ausdrücklich Cyrills Wunsch, da dort offenbar irgendwelche Geschwindigkeitsrennen oder -Tests durchgeführt werden. Ich habe es bis heute nicht ganz verstanden. Man sieht dort eigentlich nichts, ausser riesiger Salzseen, Männer die ihre Autos auf eben diesen Salzseen aus jedem erdenklichen Blickwinkel ablichten und einen Souvenirshop. Das wars. Wir übernachteten dann irgendwo im Nirgendwo um am nächsten Tag Richtung Bryce Canyon zu fahren. Dort fanden wir einen wunderschönen Stellplatz im North Campground ganz in der Nähe der Panoramastrasse, wo sich die beiden Aussichtspunkte Sunrise und Sunset Point befinden. Der Anblick des Bryce Canyon ist atemberaubend. Als wir am nächsten Morgen erwachten, hatte es sogar ein wenig geschneit, was der Landschaft einen besonderen Reiz verlieh.
Unser nächstes Ziel hiess Las Vegas, wo wir im RV Park des Casinokomplexes "Circus Circus" logiert haben. Der Campingplatz war nichts Besonderes, eine Teerwüste mit Blick auf die umliegenden Hotelbunker, unter anderem den goldenen Trump-Tower, was es nicht besser machte. Dafür gehörte ein Schwimming Pool und ein Wasserpark zur Anlage, die wir mitbenutzen durften. Selbstverständlich liessen wir uns einen Besuch des Strips nicht entgehen. Hier reihen sich die Casinohotels aneinander und eines scheint spektakulärer als das andere zu sein. Die Stadt ist, hektisch, verrückt und völlig reizüberflutet. Man muss es sicherlich einmal gesehen haben, aber nicht unbedingt ein zweites Mal herkommen.
Nach Las Vegas fuhren wir weiter nach Boulder City und von dort zum spektakulären Hoover Dam, einem riesigen Staudamm, der den Colorado River staut. Dieses Kraftwerk versorgt ganz Las Vegas und einen Teil Californiens mit Strom.
Am Lake Mead haben wir einen schönen Standplatz direkt am See gefunden, wo wir zwei Nächte blieben. Dieser war allerdings so abgelegen, dass er nur mit off-road-tauglichem Gefährt erreichbar ist.
Als nächstes steuerten wir den Grand Canyon Nationalpark an. Auch hier fanden wir ein wenig Schnee vor, als wir eintrafen. Leider hing auch eine dicke Nebelschicht in der Luft, so dass uns die Sicht auf den Grand Canyon verwehrt blieb. Am nächsten Tag war das Wetter besser und wir machten eine Wanderung zum 1.5 Mile House im Canyon. Die Aussicht muss atemberaubend sein, wenn man schwindelfrei ist. Ich bin es leider nicht. Dies mag mit ein Grund sein, weshalb mir der Grand Canyon wesentlich weniger gut gefallen hat als der Bryce Canyon.
Als wir am Abend zurück im Büffell II waren, klopfte es plötzlich an der Tür. Draussen standen zwei Polizisten, die auf der Suche nach einem Paar aus der Schweiz waren, das sich offenbar am Nachmittag im Visitor Center heftig gestritten hatte und der Mann soll sogar handgreiflich geworden sein. Cyrill war draussen mit dem einen Polizisten, der ihm einige Fragen stellte und seine Hände kontrollierte, während der andere Polizist zu mir in den Camper kam um mir einige Fragen zu stellen und mein Gesicht zu begutachten. Ich war ziemlich verwirrt und er versicherte mir, dass es sich lediglich um eine Sicherheitsmassnahme handle. Da sie sich offenbar davon überzeugt hatten, dass bei uns alles ok war, zogen sie nach etwa fünf Minuten weiter. Die Schweizer Nationalität kann also auch Nachteile mit sich bringen.

Auf der Weiterfahrt zum Lake Powell machten wir Zwischenhalt beim Antelope Canyon. Dieser darf nur mit einer geführten Tour der dort ansässigen Navajo Indianer besichtigt werden. Mit unserem Guide hatten wir besonderes Glück. Er zeigte uns die besten Stellen zum Fotos schiessen und schien sich mit Fotoapparaten sämtlicher Marken bestens auszukennen. Er zeigte uns gleich, welche Einstellungen nötig waren, um das beste Ergebnis zu erzielen. Die Formationen und Farben des Antelope Canyons lassen sich schlecht in Worte fassen. Es ist unglaublich, welches Kunstwerk die Natur hier erschaffen hat.

Am Lake Powell, ebenfalls ein riesiger Stausee, haben wir zwei Nächte verbracht, bevor wir weiterzogen zum Monument Valley. Dort haben wir zwei Nächte auf einem wunderschönen Campingplatz, eingebettet in die roten Felsen, verbracht. Es war wieder Mal Zeit, Grossreinigung durchzuführen. D.h. Büffel II rauszuputzen, Bettwäsche zu waschen, Kleider zu waschen etc. Da bin ich jeweils froh, funktionierende Maschinen und einigermassen saubere Waschsalons vorzufinden. Das ist leider nicht immer der Fall. Aber hier im Monument Valley war alles perfekt und wir konnten unseren Hygienestandard wieder einmal herstellen.
Am zweiten Tag haben wir mit Büffel II die Rundfahrt durch das Monument Valley mit seinen bizarren Felsformationen gemacht. Diese dauert ca. eine Stunde und bietet herrliche Anblicke auf die braunroten Felsformationen. Auch hier ist es ratsam, mit einem geländetauglichen Fahrzeug unterwegs zu sein, sonst muss man eine geführte Tour buchen.

Es folgten zwei weitere freie Übernachtungen in Moab, von wo aus wir den Arches NP besichtigten und danach weiterfuhren zum Mesa Verde NP. Dort kann man Klippenbauten indianischer Kulturen bestaunen. Rund 30 Ruinen blieben in den Schluchten des Parks erhalten. Allerdings waren wir etwas spät in der Saison, so dass vieles bereits geschlossen  und nicht mehr zugänglich war.

Wir haben einen Zwischenhalt in Durango auf einem Campingplatz eingelegt, bevor wir weiter nach Taos fuhren. Taos befindet sich bereits im Bundesstaat New Mexiko und der mexikanische Einfluss ist gut spürbar. Die meisten Häuser sind im sogenannten Adobe-Baustil erbaut, der aus der indianischen Kultur stammt. Sehenswert ist vor allem das Taos Pueblo, eine rund 800 jährige, fünfstöckige Wohnstadt der Taosindiander, eben in diesem Adobe-Baustil erbaut. Noch heute wird das Pueblo von Taos-Indianern bewohnt, wenn auch zugleich touristisch vermarktet.
Wir haben uns ein Fry-Bread gegönnt, ein frittierter Fladen, den wir in einer kurzerhand zum Mini-Restaurant umfunktionierter Wohnung einnehmen durften.

Seit dem 30. Oktober sind wir in Santa Fe. Diese Stadt gefällt mir sehr gut. Sie ist übersichtlich, gemütlich, absolut stressfrei, mit vielen schönen Cafés und Geschäften und unzähligen Galerien. Im Stadtkern darf ebenfalls nur im Adobe-Baustil gebaut werden.
Die erste Nacht haben wir auf einem Campingplatz verbracht, der sehr gemütlich und gepflegt war. Leider sind die Campingplätze immer recht teuer, so um die 47 USD pro Nacht, so dass es unser Budget sprengen würde, diese zu oft aufzusuchen. Die zweite Nacht verbrachten wir daher auf dem Parkplatz des Visitor Centers und weitere vier Nächte auf dem Campground des Cochiti Lake etwas ausserhalb von Santa Fe, der durch die US Army betreut wird.
Büffel II benötigt neue Pneus. Selbstverständlich sind diese nicht einfach zu kriegen, weil sehr speziell....Cyrill konnte nun im Internet passende ausfindig machen und die sollten anfangs nächster Woche zu einer Garage in Santa Fe geliefert werden, wo sie dann auch montiert werden.

Sofern mit den neuen Reifen alles klappt, wie wir uns das vorstellen, sollten wir unsere Reise ca. Mitte nächste Woche fortsetzen können. Das nächste Ziel ist Quartzsite, ein verrückter Ort mitten in der Wüste Arizonas, wo kanadische und amerikanische Rentner den Winter verbringen.